Wochenbericht 43 – Ausreden oder nicht abnehmen leicht gemacht

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Woche 43
43 Wochen – 301 Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute 30 Januar –  82,2 Kilo

Finally, nach einem Auszeit Dezember und einem Aufhol Januar, endlich ein neuer Tiefstand. In Fakten sind es ja „nur“ 300 Gramm weniger als Ende November aber angesichts der im Dezember zugenommenen Kilos bin ich mehr als happy heute.
Ich hoffe das morgen der Zauber nicht schon wieder Geschichte ist.
Ansonsten war meine Woche eher ruhig bis unspektakulär. Seit Samstag schreibe ich wieder meine Kalorien auf und nutze dafür seit neuestem myfitnesspal. Wenn auch mein Mann mit der App prima klar kommt finde ich sie sehr verbesserungswürdig im Umgang wie auch einigen anderen Dingen. aber nun ja, für aufzuschreiben wieviel ich an Kalorien verfuttert habe genügt sie allemal. Ich bin auch seit dem wieder auf max 799 Kalorien und möchte das beibehalten bis endlich die 7 vorne steht.
Sport mache ich grade keinen und werde die Woche wohl auch noch pausieren, einfach weil ich mich dazu nicht aufraffen kann und will. Das kann aber morgen schon wieder anders ausschauen. Freitag geht es zum Bluttest und Gespräch mit meiner Ärztin. Ich hab da immer Bauchweh vor und doofe Gedanken obwohl bisher ja nie was großartiges war.
Das wars dann auch schon.

Mein Wochenthema ist: Ausreden oder nicht abnehmen leicht gemacht

Ich hatte ja in der Vergangenheit immer mal wieder das Thema Ausreden angerissen aber heute will ich mal bisschen Tacheles dazu schreiben.
Ausreden sind glaube ich ein Hauptbestandteil jeder Abnahme oder Nichtabnahme.
Sie unterscheiden sich zu Erklärungen darin, dass eine Erklärung wenigstens ansatzweise versucht ehrlich und logisch an ein Ereignis ranzugehen und eine Ausrede genau vice versa.

Eine Erklärung warum ich nicht abgenommen habe wäre: Ich habe zuviel gegessen und mich zu wenig bewegt.
Die äquivalente Ausrede wäre: Ich konnte nicht anders essen weil wir Besuch hatten.

Erst einmal die gängigsten Ausreden für echt viel „Fressen“  und daraus resultierende Gewichtszunahme oder Stillstand aufgezählt:
Ich hatte Stress. 
Ich habe einen schlechten Stoffwechsel.
Ich konnte aus Höflichkeit nicht nein sagen.
Ich hatte keine Zeit zum kochen.
Meine Mutter war zu Besuch.
XYZ hatte Geburtstag, Hochzeit, Party.
XYZ ist gestorben, geboren, wieder auferstanden.
Das musste doch weg, ich kann nichts wegwerfen.
Ich muss wegen meiner Familie ja anders kochen.
Ich habe wegen meiner Familie immer Naschwerk zuhause.
Ich konnte kein Sport machen weil es geregnet hat.

Dazu muss ich sagen, dass ich persönlich da auch ganz arg unterscheide ob jemand sich seinem Ziel bereits nähert oder aber noch in morbid adipös rumlungert und hohe dreistellige Zahlen auf die Waage bringt.
Für mich ein Unterschied in vielerlei Hinsicht, wenn man bereits einen längeren erfolgreichen Abnehmweg hinter sich hat, sind Pausen oder längere Phasen des „wenig abnehmens“ durchaus ok, normal, vertretbar- whatever. Diese Menschen und Mitleidenden bedienen sich in der Regel aber auch keiner Ausreden sondern jammern ein bisschen (oder viel -> wie ich)  oder sehen den Tatsachen warum es ist wie es ist einfach ins Gesicht und machen weiter.
Aber die höchstgewichtige Fraktion ist da häufig anders gestrickt und jede noch so banale Ausrede wird bemüht um jede Handlung am besten unter verständnisvollem Abnicken ohne Eigenreflektion zu umschiffen

Ich verfolge zum Beispiel seit einiger Zeit sporadisch einen abnehmenden Youtubler der um die 180 Kilo wiegt, zu Beginn dachte ich: wow- das wird eine Motivation ihm beim abnehmen zuzuschauen.
Nun ja, er macht auch fleißig Videos nur sind sie gespickt von Ausreden. Sei es viel Arbeit, sei es Wochenendurlaub, sei es Event jeglicher Art oder sei es keine Ahnung das die Katze nen schlechten Tag hatte *ironie off*
Letztendlich sind Abnahmen von 1-2 Kilo im Monat eher die Regel oder halt mal wieder was rauf.
Natürlich kann man nun sagen: Hey jeden Monat 1 Kilo sind auch 12 Kilo im Jahr und in 10 Jahren -120 Kilo . Seriously? In 10 Jahren gibt es 10 Mal Weihnachten in dem man von den 12 Kilo wieder 8-9 zugenommen hat. Unterm Strich bleibt da nicht mehr viel, wenn überhaupt.
Mich macht sowas schon fast sauer auch wenn es mich nicht betrifft.
Bei diesem Gewicht und den ANGEBLICHEN 1200 oder so Kalorien am Tag müsste er jeden Abreißkalender überholen. #isso
Wie wäre es wenn man statt jede Art von abweichendem Tagesablauf nicht her nimmt um sich eine Ausrede für die Pizzaeskalation zu basteln sondern es als Chance nimmt seine Willenstärke auf den Plan zurufen und NEIN zu sagen oder alternativ einfach die Eier hat und sagt: Kein Bock mehr auf abnehmen.

Denn das ist der wirkungsvolle Gegenpol zu jeder Art von Ausrede:
Nein ! sagen, denken, verhalten.
Und sich selbst fragen wie hoch ist die Priorität des Abnehmens. 
Wenn ich das an dem Aufwand messe den mancher Instagramer betreibt, mit mehrfachen Fotos täglich, zig Story Berichten und Videos, Essensbilder und Bilder von ganz ganz weit oben, sich selbst wohlkingende nun_gehts_los Namen gibt und seine Berichte mit gefühlt 580 #Hashtags versieht um das Thema Gewichtverlust herum, wenn ich also diesen Aufwand hernehme muss ich doch denken- hey er/sie/es wollen das wirklich.
Und letztendlich sieht die Realität aus das ein plus dem anderen folgt, ein fastfood bild oder Bild das mir mit 3000 Kalorien ins Gesicht springt und dem 5ten cheatday in der Woche der halt „sein musste“.

Dann gibt es noch die Ausreden die so eingebrannt sind in die Köpfe auch in meinem lange genug waren, dass man sie schon fast automatisiert benutzt.

In meinem Alter geht das halt nicht mehr.
Meine Schilddrüse ist am Arsch.
Mein Stoffwechsel.
Ich habe die Gelenke kaputt.

Ich habe extra die Ausreden genommen die ich gerne selbst und häufig benutzt habe und sie auch wirklich geglaubt habe. Damit will ich auch sagen, dass ich überzeugt bin, dass mancher Dicke sich gar nicht mehr bewusst ist was für ein Stuss er sich zurecht gelegt hat warum etwas nicht geht.
Ich unterstelle dabei gar nicht einmal, dass es um Selbstbetrug geht oder Beschönigung sondern einfach darum, dass sich da was im Laufe der Faulheitsjahre eingebrannt hat was nicht mehr einfach so aus dem Kopf raus geht.
Allerdings und hier kommt mein aber:
Jeder der sich dann so mit und um das Abnehmen engagiert, der durch die Medien surft, liest, schaut und hört und teilnimmt an anderer Leute Erfolgsstory sollte an diesem Punkt wachgerüttelt sein und seinen angestaubten Mist loswerden.
Das ist meine Meinung.

Denn selbst wenn ich nicht für mich irgendwann einen Schlussstrich unter die ganzen Sätze gezogen habe, die mir hilfreich zur Seite gestanden haben wenn ich eigentlich lieber keine Mühe investieren wollte zum abnehmen und viel lieber weiter fressen wollte, selbst dann wären mir die Augen aufgegangen beim betrachten und verfolgen anderer erfolgreich Abnehmender, dass das was ich meinen Mitmenschen auftische warum ich nicht abnehme oder mich nicht bewege einfach nur Bullshit ist.

Es gibt auch keinen Berg der so groß ist das er nicht abgetragen werden kann, Stein für Stein.
Es gibt immer eine Möglichkeit extra Kalorien zu verbrennen auch wenn man im Bett liegt.
Es gibt immer die Möglichkeit Nein zu sagen, auch wenn man wem auch immer damit vor den Kopf stößt.
Denn letztendlich geht es um dein Leben, deinen Körper, deine Gesundheit und wenn jemand auch wenn es Familie ist oder enge Freunde da nicht mitziehen will, dann sind sie halt raus aus der Nummer und die nächste Party findet ohne dich statt.

Ich habe als Kind gelernt, ich muss meinen Teller leer essen, sonst gibt es kein Nachtisch.
Heute weiß ich dass ich aufhören kann und darf wenn ich satt bin und mir dennoch später was auch immer ich mag nehmen kann und darf.
Also kann ich auch verflucht nochmal 🙂 meine Kindheitskonditionierung nicht mehr hernehmen als Ausrede warum ich mehr esse.
Auch das ganz lapidare: Aber es war sooo lecker, da musste ich noch das zweite Schnitzel und die dritte Portion Pommes essen, ist zwar vielleicht wahr (das mit dem lecker) aber bei dem Wort: „muss“ steig ich halt aus.
Niemand muss etwas essen, niemand muss weiter essen auch wenn er satt ist und wenn er kein Sättigungsgefühl mehr hat, weil er es einfach verlernt hat in den Völlejahren, dann schreibt er sich die Kalorien auf oder Punkte und hört dann auf, mit der Gewissheit, er wird nicht verhungern. Aber müssen muss er NIX.
Ich lade mir auch heute noch meinen Teller gelegentlich zu voll, Jahrezehnte lang antrainiert ist es schwer das wieder loszuwerden. Aber ich kann wegwerfen. Ja, ich kann und ich darf das UND ich mache das.
Und an all die Mütter: Ihr müsst nicht das was eure Kinder (intelligenter Weise) übrig lassen vom Teller wegessen, weil man ja nix verderben lassen kann. 

Sag mir nicht dein Gewicht und ich sag dir wer du bist.
Provokant ?  Ja, was geht mich dein Gewicht an? 
Ich frage selten nach dem Gewicht, eher gegen null sogar. Allerdings frage ich durchaus mal warum jemand zwar einen superduper Abnehmaccount macht und Fotos diverser Apps postet und dabei hübsch sein Gewicht ausschwärzt.
Im Profil stehen Wunschabnehmzahlen von 30-40-50+ Kilo
Und selbst auf den Vogelperspektivselfies sieht man die Dreistelligkeit als geschulter Fetter.

Ich kann mein Gewicht nicht schreiben, ich schäme mich.
Ja, das glaube ich dir.  Bitte glaube mir, dass ein offener Umgang mit deinem Gewicht dir eine große Last von der Schulter nehmen wird und es wird sich kein Höllentor unter dir öffnen.

Ich kann mein Gewicht nicht schreiben, weil Arbeitskollegen, Freunde diesen Account hier auch kennen.
Ehm, ja und? Die wissen wie fett du bist auch ohne eine Zahl auf der Waage aber wenn du es bezifferst, dann wissen sie auch was du irgendwann vielleicht geschafft hast.

Und da kommt mein nächster Ausredenpunkt. Sich präventiv Ausreden erschaffen.
Fluchttunnel.
Ja, wenn ich mein Gewicht nicht sage, dann wiege ich mich immer in einer Restsicherheit falls ich nicht abgenommen habe oder nicht durchziehen kann.
Falls ich mich und die Welt verarschen muss und Abnahme Kilos hinschreibe die nicht stimmen und wo nur meine Waage die Augen verdrehen kann.
Falls ich alles möglichst anonym und vage halte beim Abnehmen aber doch gerne ganz viel Aufmerksamkeit bekomme, dann fällt es nicht so auf wenn ich zum hundertsten mal scheitere.

Tscha, habe ich auch so gemacht – geht tatsächlich, auch wenn man halt irgendwann nicht mehr ernst genommen wird.
Ach, die Millen, ja, sind ja wieder 5 Monate vorbei will mal wieder abnehmen.
Dann noch paar verzerrte megavorteilhafte Bilder posten und am besten im Feedback baden: so dick bist du doch gar nicht…

Für mich gibt es drei Wege abzunehmen:
Den ganz intimen, privaten, den, den man nur mit sich selbst ausmacht und man kein riesen Fass aus seinem Vorhaben aufmacht. Den wo irgendwann der Mann sagt: Schatz hast du abgenommen? und dabei ganz überrascht ist.

Den, den man mit engen Freunden und Familie teilt oder dem Arzt seines Vertrauens weil man sich entsprechend Unterstützung erhofft und dennoch seinen Schutzraum wahrt.

Und den Weg der Öffentlichkeit, social medias, whatsapp Gruppen, Foren etc..
Jeder darf und soll es wissen.
Und eben von denen spreche ich, kann ich auch nur sprechen, hört auf mit Halbheiten, Ausredenkatalogen, öffnet euch, ihr werdet nur Zuspruch erfahren, wenn ihr wirklich abnehmen wollt. 
Ich habe es erlebt, meine Angst mich zu zeigen hat mich aufgefressen, mich zu beziffern und meine Scham vor meinem Gewicht, Körper und was ich mir angetan habe.

In dem Moment wo ich meine Ausreden über Bord geworfen habe und mich geöffnet habe, Fremden, Bekannten und Freunden gegenüber hat mich eine Woge von Zuspruch und Kraft überrollt. Bis heute. 

Lasst euch diese Chance nicht entgehen, wenn ihr den offenen Weg beschreitet.
Wenn das nichts für euch ist, dann  macht euch bitte auch nicht zur „belächelt“ werden Nummer mit Halbherzigkeiten und den unrühmlichen Ausreden.

Noch einen letzten Satz:
Es gibt auch Ausreden die einfach keine sind. Auch das sollte man nicht vergessen.
Manche Dinge so unwirklich sie erscheinen, sind halt dann doch Grund und Ursache warum und wieso etwas nicht oder schief ging.
Und manchmal wird es echt schwierig so etwas zu schreiben, weil dank diverser hypen Bücher man direkt in die „Schwindelecke“ oder direkter in die „fettlogik“ Ecke abgestellt wird.  
Da bleibt einfach ein gesundes Abwägen und Verstand einsetzen.

Mit Ausreden ist nicht abnehmen leichter gemacht, ohne Ausreden nicht unbedingt erfolgreicher aber ehrlicher.

In diesem Sinne und wie immer nur meine ganz persönliche Meinung, noch eine tolle Woche
Eure Anja

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