Wochenbericht 32 – Kurven statt Kugel

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(titelbild model: meine tochter <3, fotograf: ich und nächstes jahr möchte ich das genau andersrum)

Woche 32
29 Wochen – 224 Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute  14 November –  84,4 Kilo

Meine Woche war ein depressives Loch, ein ganz tiefes abrutschen inklusive einem Tag nur Bett mit heulen und ganz nahen Wünschen alles hinzuschmeissen.
Ich habe allerdings darüber in den Social Media genug rumgejammert und bin auf dem Weg daraus. Fazit bleibt: 100 Gramm mehr als letzten Dienstag und 400 Gramm vom neuen Tiefstand entfernt.
Auch die fantastischen Vorsätze jeden Tag Sport zu machen habe ich nach einer sehr harten Sporteinheit letzte Woche und daraus resultierenden 4 Tage kaum gehen können Erfahrung, knicken können.

Wochenbericht Thema:
Kurven statt Kugel

Oder wie ich mir Motivation gebe.
Eine beliebte Frage die ich gestellt bekomme, wie schaffst du es dich so lange zu motivieren. Ich habe schon häufiger darauf geantwortet und mache es gerne noch einmal.
Leidensdruck – genug Leidensdruck.
Leidensdruck macht aus: Ich müsste dringend abnehmen und könnte ich doch bloß auch ein: Ich nehme ab und ein: Ich kann.
Die meisten Abnehmer hier kämpfen nicht um die 1-2 Kilo zuviel sondern mindestens um die 10-20 und sehr sehr viele von uns auch um die 40-50 und mehr.
Bei mir sind mittlerweile insgesamt 75 Kilo seit Höchstgewicht gefallen und seit diesem Jahr April halt über 41.
Im April machte ich einen Ticker der mir zeigte wieviel ich noch vor mir habe


Zu Beginn stand da eine 59,9 Kilo to go und das Vögelchen war am Anfang seines Weges. Und bei dem Gedanken an 60 abzunehmende Kilos (mindestens) hätte ich gerne alles hin geschmissen. 
Ich verstehe jeden der denkt: das schaffe ich doch nie!
Jeden der angesichts des Berges der vor ihm liegt weint und aufgibt bevor er den ersten Schritt gemacht hat. Ja, ich verstehe das, ich war auch sehr lange genau so drauf.
Ich hatte einmal von 160 auf 125 abgenommen und das wars. Damals ohne social media, ohne der Öffentlichkeit zu zeigen wie ich bin und was ich mache. Und dann war Ende. Ich weiß nicht einmal mehr ob es schleichend oder abrupt war und wieso. Es war einfach Schluß.

Um dem Vorzubeugen habe ich diesmal die mir zwar größtenteil fremde internette Welt mit einbezogen. Ich habe mir ein Gerüst aus Routinen und auch „Leistungsdruck“ aufgebaut. Kein Verstecken mehr hinter Avataren, Selbstbetrug und vor allem nicht mehr die Hängematte und das Safety Netz: Wenn ich scheitere dann bekommt es ja eh niemand mit.

Also ist eine große Motivaion für mich meine Offenheit und auch schonungslose Ehrlichkeit. Keine Ausreden mehr.
#noexcuses

Erfolg, auch das sagte ich schon, ist eine riesige Motivationsquelle für mich. Ja, auch der Erfolg anderer die einen ähnlichen Weg wie ich gehen.
Was mich nicht anspornt sind Leute die bereits abgenommen haben.  Das ist für mich nicht mehr zeitnah, nicht mehr aktuell. Ich habe auch schon abgenommen, ich weiß ja das es geht. Aber Mitstreiter, die die tägliche Plackerei durchmachen, sich zu Sport nötigen auch mal hadern und verzweifelt sind und dennoch weiter machen. Das ist Motivation.
Und da ich mich nicht nur auf andere stützen kann und will ist letztendlich mein eigener Erfolg meine größte Motivation.

Ob es vorher-nachher Bilder sind die ich mache und mich selbst kaum wiedererkenne, ob es der Waagenstand ist der nach unten geht, ob es eine neue Bestzeit oder Strecke beim Sport ist. All das ist der Wahnsinn an Push.
Motivation pur: Da geht noch was!

Ja, es birgt Risiken sich darüber zu motivieren, die Waage zickt ja bei mir extremst rum in letzter Zeit und keinen Erfolg zu haben trotz Anstrengung birgt bei mir ein Risiko, wie oben geschrieben, in ein Loch zu fallen und dann muss eine Rettungsleine her.

Die Rettungsleine kann nicht von Außen kommen. Bei mir nicht. Es tut gut anspornende und mitfühlende Kommentare zu lesen aber es nimmt mich nicht auf den Arm und trägt mich durch den Dickicht. Dass können nur meine dicken Beine.

Also was bleibt um mich zu motivieren?
Die Frage: Habe ich mir die 7 Monate Disziplin und Willensstärke, die verlorenen Kilos so easy aus dem Arm geschüttelt, dass ich nun aufgebe? Nein!
Die Frage: Will ich zu der Kugel zurück die ich war oder will ich zu den Kurven hin die ich bekomme? 
Die Frage: Möchte ich früher sterben und mich unattraktiver fühlen, möchte ich versagen und damit leben? Möchte ich für immer die Fette bleiben die beim straucheln nicht mehr aufsteht?

Genug!
Genug Motivation, für mich allemal. Ich will nicht mehr zurück in Kleidergröße 54/56 in 4-5xl Shirts, ich will nicht mehr zurück in schmerzende Gelenke und schnaufen. Ich will nicht mehr nur watscheln wenn ich auch schnell gehen kann. Ich will nicht mehr auf einer Bank sitzen wenn ich auch in einen Armlehnstuhl passe.
Ich will nicht mehr breitbeinig, meinen Bauch auf den Oberschenkel ruhend da sitzen sondern meine Beine weiterhin überschlagen können. Ich will nicht mehr nach einem Verlängerungsgurt im Flugzeug fragen und sehnsüchtig auf die Kleidung  der ersten Katalogseiten schauen und weiterblättern müssen bis ich zur „mageren“ Dickensektion komme. Ich will nicht mehr verniedlicht „mollig“ genannt werden und auch nicht ehrlich „fett“. Ich will nicht mehr sagen: Ich kann nicht mehr – ich will .

Braucht es mehr Motivation?
Ich denke nicht.

Und natürlich kann und da bin ich dann wieder beim Anfang, das nur funktionieren mit der Motivation wenn der Leidensdruck da ist.
Denn sonst greift das alles nicht, dann kommt der innere Betrug: So schlimm ist es bei mir ja – noch – nicht. Eigentlich fühl ich mich ja so wohl. Dazu addierend noch zig andere Ausreden warum man nicht abnehmen KANN und nicht abnehmen MUSS und nicht abnehmen SOLL.
Dann klammert man sich an „Fat Acceptance“ und schaut missbilligend auf die „Schlanken und Sportlichen“.

Was ich diesen Menschen sagen will ist: 
Nichts.
Denn wie bei einem Alkoholiker kann man von Außen nicht einwirken.  Es funktioniert einfach nicht, es ist vergebene und falsche Liebesmühe. Das einzige was man machen kann ist ehrlich sein und sagen: 
Es ist ok wenn du dich selbst verarschst aber bitte halte mich nicht für dumm genug das abzunicken. 
Das kündigt eventuell Freundschaften und Bande aber wenn überhaupt etwas hilft und Motivation gibt die Augen zu öffnen, dann das.

Wie immer ist das natürlich nur aus meiner Warte, nur meine Meinung und Erfahrung und sonst gar nix.

Ich will Kurven und keine Kugel mehr und du?

Eure Anja

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