Wochenbericht 27 – die jungen alten Wilden

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Woche 27
27 Wochen – 189 Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute 10 Oktober –  86,3Kilo

Wie die Woche war? Nicht so prall, ich habe sie fast ausschließlich damit verbracht das Hoch von 1,6 Kilo an Samstag und Sonntag wieder mühevoll abzutrainieren.
Das ist natürlich Nerv zehrend.
Eine wirklich traurige Nachricht einer Bekannten  und Anfang der Woche bekam ich von einem RL Freund (selbst übergewichtig) noch einen wunderbar idiotischen Spruch gedrückt. Nachdem er 540 Höhenmeter mit harter Steigung gepaart mit Unsportlichkeit in 5 Stunden zurückgelegt hatte und ich ihn aufrichtig lobte und mich für ihn freute, erklärte er mir: Du hättest nicht einmal 100 Meter geschafft.
Er wird das hier nicht lesen, das weiß ich, aber ich hoffe für ihn und für unsere über 20 jährige Freundschaft, dass er zeitnah die Worte für eine Entschuldigung findet.
Ich baue keine Erfolge und Stolz darauf auf, dass ich andere verletze und schwach rede.

Wochenthema ist heute:
Die jungen alten Wilden

Wie jetzt?
Ja, ihr Jungvolk und Grüngemüse 🙂 heute geht es um meine Generation und drumrum.
Um die, die manchmal schon länger mit ihrem Gewicht zu kämpfen haben als einige von meinen Zulesern alt sind 🙂 Die ihre jungen, wilden Jahre und zum Teil ihre mittelalten mit Einschränkungen verbracht haben und die nun endlich aufblühen sollen in all ihren wilden Schönheit.

Heute ist für die Verrückten, für die Unangepassten, für die mit Ecken und Kanten an denen man sich reiben kann, für die Wilden, die im Regen in Pfützen Springenden.

Ich bin 51, ich war schon immer ein bisschen unangepasster, ein bisschen wilder, im Kopf und im Herz ganz ganz viel aber im Ausdruck im täglichen Leben und erleben eingeschränkt.
Ich durchlief in meiner Teeniezeit und somit der letzten Zeit in der ich schlank durch dden Tag und die Nacht lief, alles was die 80er her gaben… Von Punk zu Popper zu Michael Jackson Fan und Madonna Hippie. Das spiegelte sich in Frisuren und Klamotten natürlich wieder.

Dann wurde ich Mutter und kurze Zeit später Alleinerziehende von 2 Babies bzw. Kleinkindern. Ganz viel Ernst des Lebens am Start und ganz wenig Platz um verrückt zu sein. Als es wieder den Platz gegeben hätte für flippige, coole Klamotten, war ich fett und zwar richtig.
In dem Maße, dass schwarz und weit meine Lieblingsfarbe und Stil wurde.
Ja, an den Haaren war ich zwischendurch mal mutig, aber hey, wenn der Kopf auf 160 Kilo sitzt nutzt es einem auch nichts mehr blaue Haare zu haben. In’s Sichtfeld rückt das was am größten ist, die schwarze Körperfront.
Sehnsüchtig habe ich auf die tolle Mode geschaut, auf kurze Röcke, auf buntes, bauchfreies,  körperbetontes nur kam es halt nicht für mich in Frage, denn bei aller Wildheit und Gier nach flippigem wusste ich oder glaubte zu wissen was ich mir und der Menschheit an Anblick zumuten konnte.
Heute sieht das anders aus, abgesehen davon, dass ich mittlerweile ganze 7-8 Kleidergrößen von meinem Höchstgewicht entfernt bin, schere ich mich nicht mehr darum ob oder was ich tragen sollte so als fünfzig Jährige.
Ich trage gemustert auf anders gemustert, eng anliegend, lang, geschlitzt, gerüscht und und und. Im Sommer haben mich auch meine „Schwabbelflatteroberarme“ nicht mehr wirklich beim T-Shirt gestört. Schaut halt weg.
Und wenn ich keinen Bock habe meine Beine zu rasieren, rasiere ich sie nicht.
Ich lasse mich nicht mehr diktieren, nicht von mir selbst und schon gar nicht mehr von allen möglichen neuen oder alten schönheitsgesellschaftlichen Gepflogenheiten.

Natürlich gibt es Dinge die ich nicht tragen würde, weil sie mein eigenes Mode-, und ästhetische Empfinden beleidigen, darunter dieser so gerne bei frisch schlanker Werdenden beliebte: Minirock mit schwarzer Leggins oder kurze Hose mit blickdichter Strumpfhose. ayeayeaye. NE! oder halt unvorstellbar im Moment. Modegeschmack ändert sich ja.

Dann wiederum beobachte ich Frauen, die sich noch gar nicht selbst fassen können mit ihrem neuen Ich.
Die ihre Selfies posten mit neuer Kleidung die genauso langweilig ist wie fast alle Dickenmode nur mit dem Unterschied das es keine Dickenmode mehr ist.
Mädels! Mut haben, Wünsche erfüllen, Ja! man kann auch bunt und wild gemustert und crazy zur Arbeit gehen.
Wer will euch das verbieten nachdem ihr so eine harte Arbeit an euch geleistet habt?
Natürlich will ich niemandem der seinen Look mag darein fuchteln, niemals, mir geht es nur um die vielen lieben Wesen, die sich selbst immer noch so zurücknehmen, auch ein Stück weit weil sie Angst haben, dass man sie anschauen könnte! Das sie im Mittelpunkt stehen könnten. Das sie das nicht tragen können obwohl sie so so so gerne würden.

Bei abnehmenden Männern muss ich häufig schmunzeln, viele, sehr viele, dicke Männer tragen einen Vollbart, wahrscheinlich weil man dann sooooviel weniger von dem “ vielen“ Gesicht nicht sieht und der wird im Zuge der Abnahme immer weiter gestutzt ( was ich toll finde). Aber hey, traut es euch doch, säbelt das Ding mal ganz ab:) nachwachsen ist ne flotte Nummer. Auch die Zeiten des megaweiten verzweifelten 6xl Shirts sind vorbei, genießt es.

Dann bekomme ich Kommentare zu meinen Haarfarben : oh, hätte ich auch gerne.
Bitte! Liebe Dich und mach sie dir grün, blau, regenbogenfarbig, schneide dir einen Sidecut, lass dir Locken machen, Treats flechten, wenn du immer schon einmal wissen wolltest wie es an dir ausschaut. 
Lass dich nicht von äußeren Zwängen einpressen, wo du die letzten Jahre schon genug zu leiden hattest, mach dich frei.
Sei wild.
Haare wachsen nach, Farbe kann man überpinseln, nur es niemals zu probieren, hast du das verdient oder hast du nicht vielmehr verdient endlich mal auf die Pauke zu hauen auch wenn du sonst eher die leise, sanfte bist?

Bungeejumping? Kurztrip nach London, ins Auto setzen und nach Paris fahren oder lieber doch einfach nur ne geile Grillparty im Winter? Ein Tattoo endlich? Oder lieber nur die Hände mit Henna verzieren lassen. Zur Tanzschule anmelden weil du dich damals schämtest? Oder lieber nen HipHop Kurs in dem nur Jugendliche rumhüpfen?
Vielleicht nochmal studieren oder gar Abi nachmachen? Läuft! Geht!

Du darfst das! Du bist das wert, ich bin das wert, wir sind das wert.

Soviel auf das wir aus eigener Befangenheit verzichtet haben und gesellschaftlichen Grenzen verpasst haben, nie gemacht haben.
Soviele : Könnte ich nur wie ich wollte, hätte ich nur, ach wäre das toll
Zum leichteren Lebensgefühl nun die Leichtigkeit des Seins dazu addieren, das wäre es doch.
Alter ist keine Grenze, Vorschriften auch nicht. Es zählt alleine deine Träume zu erfüllen.
Kein Geld dazu da? Dann versuche dir Alternativen zu erarbeiten.
Bevor wir auswanderten bin ich nur um noch mehr Geld auf der hohen Kante zu haben, putzen gegangen. Das ist ok und ich würde es heute wenn ich Träume hätte die viel Geld erfordern wieder nebenbei machen.
Es gibt immer einen Weg, wie auch beim Abnehmen, es gibt immer einen Weg wenn der eine versperrt ist, manchmal ist er länger aber wichtig ist am Ende das wir glücklich sind. 
Ich habe genug Jahre verschenkt in meinem Schneckenhaus mit Fettpolstern.
Mir langts.
Heute ist die Zeit der alten Wilden, nicht gestern, nicht morgen, heute!
Gebt euch Schmetterlinge zurück.

Eure Anja

2 KOMMENTARE

  1. Oh Anja ❤️ Toll ganz ganz toll geschrieben sorry mir fehlen einfach die Worte … ich finde es so motivierend danke 🙏 für diese schönen Worte 😀 ich glaube dass du damit mal wieder viele ins ❤️ Triffst 😁👋

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