Wochenbericht 25 – Einsam im Nebel zu wandern

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Woche 25
25 Wochen – 175Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute 26 September – 87,8 Kilo

Da sind tatsächlich in der Woche 1,5 Kilo gepurzelt. Das ich das nochmal erleben darf.
Mein „Frauenzeug“ habe ich hinter mir gelassen und die Woche war eigentlich ganz ok.
Ich bin immer noch erleichtert und glücklich das sich aller Stress aufgebröselt hat, aber mein Reizmagen wie auch meine gereizte Schilddrüse bitchen noch ein bisschen rum.
Viel mehr hadere ich dieser Tage wiedermal ein mit dem Zustand meiner Beine.
Doch auch das geht vorbei und somit mache ich mich mit kleinen Tippelschritten auf zur 85. Die würde ich gerne vorne stehen haben wenn meine Tochter am 18 Oktober zu Besuch kommt. Daumen drücken bitte.
Sport mäßig bin ich derzeit nur auf dem Crosstrainer, ich kann momentan meinen Po einfach nicht hochbekommen um Krafttraining zu machen, plane aber mein derzeitiges Büro in den ersten Stock zu legen und dann hier unten in dem großen Raum mit Badezimmer ensuite, alles an Sportzeug reinzumachen. Das pushed dann wieder.

Mein heutiges Thema ist:
Einsam im Nebel zu wandern

Ich bin ja eine recht öffentliche Frau, ich gehe mittlerweile mit allem von mir sehr offen und frei um und das wiederum befreit mich enorm. Natürlich gibt es Bilder und Themen die nicht so locker flockig von der Tastatur flutschen oder den Lippen, doch im Großen und Ganzen kam mit dem Gewichtsverlust und dem in die Social Media eintauchen auch ein Befreiungsschlag für mich.
Ich bin unglaublich dankbar für die wirklich viele Unterstützung insbesondere durch meinen Mann und meine Tochter aber auch durch die vielen virtuellen Freunde und Zuleser, Mitstreiterinnen und Kämpfer. Immer wieder, ja fast täglich, erkenne ich mich in diversen anderen Postings wieder, sehe wie gleiche Kämpfe gefochten werden und gleiche Siege bejubelt und das gibt mir das Gefühl nicht alleine zu sein und auch die Erkenntnis: Nicht nur ich hab grade mal wieder die Waage-Arschkarte gezogen sondern Noch jemand da hinten und da drüben noch wer. 😉

Dennoch bin ich auf meinem Weg alleine, ja manchmal auch wirklich einsam.
Mir ist es heute wirklich  nach Hermann Hesses Gedicht zumute:

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein
©
Hermann Hesse

Klingt nun alles ein bisschen depressiv ich weiß, bin ich aber gar nicht. Nur bei meinem täglichen waden durch den Nebel von Versuchungen, von Schweinehunden rechts und links am Wegesrand begleitet, fühle ich mich manchmal einsam.
Da werden alle aufmunternden Worte von außen zu leeren Worthülsen, da hilft kein Trost und kein „Kopf hoch“, wenn man wieder und wieder gegen die Versuchungen kämpft, den Kampf fightet man ganz alleine. Ständig, immer wieder, täglich, manchmal stündlich, manchmal in einer großen Schlacht und manchmal kann man ihn mit einem gezielten Hieb sofort gewinnen.
Immer auch ein Stück weit die Angst dabei, sein Ziel aus den Augen zu verlieren, Angst zu versagen, nicht vor anderen, nein vor sich selbst als Verlierer da zu stehen.  Angst vor dem was da kommt und die Einsamkeit weil man nicht immer und immer wieder seine Mitmenschen mit seinen wiederkehrenden Ängsten, Gedanken quälen will.
Das kann sich sehr schnell hoch addieren und dann gibt es den Tiefpunkt, dieser Punkt den Hesse so schön „Das Dunkel“ nennt. Diese Zweifel ob man das alles wirklich so will,
diese Gedanken die wirklich merkwürdig werden und einen „von allem trennen“
Und auch die muss man auf seinem Weg alleine gehen.
„Als mein Leben noch licht war“ oder als ich noch fett war, war auch einiges wirklich einfacher, es war soviel einfacher sich allem einfach hinzugeben. War ja eh alles egal, man war meist die völlig unkomplizierte Fette, die dicke Freundin, die selten etwas über ihre Sorgen mitteilte und auch eigentlich nicht so viele hatte aber immer ein Ohr für Andere.

„Nun da der Nebel fällt, ist keiner mehr sichtbar“
Das ist zwar etwas überspitzt, aber ich merke wie meine Sorgen die ich nun habe, meine Ängste, eher Unverständnis oder Erstaunen hervorrufen bei meinen Freunden.
Muss ich doch nun viel viel glücklicher und strahlender sein, wo ich schon soviel abgenommen habe. Manchmal traue ich mich gar nicht mehr zu sagen, dass ich mit mir hadere, mit meinem Alter, mit meiner Haut, mit der mir noch verbleibenden Zeit, mit meinem „viel zu spät was aus meinem Leben, aus mir gemacht zu haben“.
Mit dem für mich immer noch großen Berg an Kilos, den ich ganz alleine  bewältigen muss.
Diese Gedanken teile ich kaum oder nicht in der Intensität wie sie mich ereilen, aber sie sind da und ich glaube sie befallen jeden von uns der durch solch eine Transformation geht hin und wieder.
Manchmal mit Wut begleitet, manchmal mit Trauer.

Im Alltag zeigt sich Einsamkeit beim Abnehmen bei den banalsten Dingen. 
Niemand macht für dich Sport, ich stehe auf und schwinge mich auf den Crosstrainer und ab Sekunde 1 hasse ich das Tag für Tag. Und einsam drehe ich meine Runden und kämpfe mit mir um jede Minute.
Niemand kann dir da beistehen, niemand nimmt es mir ab und könnte es. Da muss ich alleine durch.
Beim Essen zubereiten das selbe in grün, ausrechnen, überlegen, will ich heute Mittag wirklich 470 Kalorien essen und damit schon soviel haben, das heute Abend nur noch ein Minisalat drin ist und ich werde mit Hunger ins Bett gehen. Ja Nein Ja Nein…
Angst es zu bereuen wenn man es doch macht, Angst am frühen Nachmittag Gelüsten zu erliegen wenn man es nicht macht.
Um mich herum mein Mann der sich locker flockig seine Mahlzeit bereitet, der sicher mit mir über meine Gedanken reden würde oder mich aufmuntern, aber warum sollte ich jeden Tag die selbe Leier runterrasseln, wo er letztendlich nur mit bekäme wie oft ich mit mir zweifle und kämpfe.
Nein, Abnehmen ist ein Stück „Einsamsein“

Jedoch um zu einem nicht zu sentimentalen und poetischen Abschluss zu kommen: Abnehmen ist auch genau das Gegenteil, man findet neue Menschen, Freunde, liebenswerte Wegbegleiter, man lacht gemeinsam, freut sich gemeinsam, erreicht gemeinsam Ziele und jubelt zusammen dem leichteren Ich entgegen.
Ja, das macht sogar den Großteil des Weges aus.
Und darüber bin ich ganz wahnsinnig froh. Nicht alleine zu sein, das manche Bäume mich durchaus kennen und gerne haben mit eben meinen Ängsten und Macken.

Und die Zeiten in denen man alleine durch den Nebel wandert, diese Zeiten sehe ich auch als Wachstumszeiten. An denen ich wachsen kann, mich kennenlerne, mich verändere und aus denen ich jedesmal wenn der Nebel wieder lichter ist stärker rauskomme… ehm ja und auch schlanker 🙂

In diesem Sinne
Eure Anja

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