Wochenbericht 24 – Kilos ändern dich

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Woche 24
24 Wochen – 168Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute 19 September – 89,3 Kilo

Heute mit längerer  „Einleitung“
Schwupps ist wieder eine Woche weg, innerhalb dieser Woche bin ich tatsächlich mal kurz auf 88,8 Kilo gewesen und dann schlug meine Periode nach 5 Monaten Wechseljahrpause gnadenlos zurück. Ich lag fast drei Tage mit heißem Körnerkissen auf dem Unterleib im Bett und habe außer schlafen, selbstmitleiden und Serien schauen nix gemacht. Oh doch moment, Ich habe eine Pizza gefuttert und Abends eine Tüte Chips und es war einfach göttlich. Seit Wochen schwirrt mir beim Einkaufen immer wieder eine Dr. Oetker Wagner Peperoni durch die Sinne. so ein leckres Teil hat leider fast 1000 Kalorien also eigentlich mehr als ich am Tag sonst zu mir nehme. Am Samstag war es dann soweit, ich plante, dachte überlegt und sagte mir vorher xmal das ich es ohne Reue genießen werde. Ich fuhr los mit meinem Mann in den nächstgelegenen Ort und zögerte diesmal an der Gefrierabteilung nicht eine Sekunde und dann lag der Schatz in meinem Wägelchen und die Tüte Chips zum TV schauen gleich dazu. Früher wäre wohl noch ne Flasche Wein mit im Korb gelandet aber danach war mir gar nicht. Erstaunlicherweise auch nicht nach Süßem, dass mag daran liegen, dass ich ja regelmäßig meine leckren Fruchtbecher mit meiner Schokosoße vernasche.
Somit kam ich am Ende des Tages auf 2000 Kalorien.
Inklusive Frühstück, Kaffees und co.
Ein erstmaliges und auf lange Sicht hin seltenes Vergnügen: kein Defizit zu haben, das ich sowas von genossen habe und auch am nächsten Tag ohne Reue und Gezedere. Ich freue mich über diesen Schritt sehr. Denn die letzten 5 Monate konnte ich sowas nicht langfristig genießen, spätestens am nächsten Tag kam die Reue, das Gejammere und die Angst nun in alte Muster zu fallen.
Soviel zu meinem Gewicht, Essen und Trinken, der vergangenen Woche.
Leider gab und gibt es noch einige für uns persönliche Hiobsbotschaften, unter anderem das unser kleines Rostläubchen wahrscheinlich unheilbar krank ist und wir damit wohl ein neues altes Rostläubchen anschaffen müssen und auch noch eine andere Nachricht die wenn es schief läuft uns finanzielle Einbußen beschert. Und wie ich so bin, mache ich mich bekloppt ob wir das alles meistern werden, schlaflose Nächte während ich in der Warteschlange stehe und dem Mutwillen einzelner Menschen ausgesetzt bin. Natürlich springt meine Schilddrüse darauf sofort an und schnürt mir mal wieder den Hals zu. So what. Da gehn wir nun auch durch.

Außerdem bekam ich auf meinen letzten Wochenbericht einen etwas verstörenden Kommentar: Ich sei so abfällig in meiner Schreib/Sichtweise geworden…  Ich wäre ein Vorbild gewesen für sie aber nun… Ich hätte ja schließlich auch erst 50 werden und 160 Kilo schwer werden müssen zum abnehmen.

Erstens, habe ich bereits vor vielen Jahren, viele Kilos abgenommen und auch nicht wieder zugenommen. Ja, ich musste 50 werden um für mich zu entscheiden gesünder und länger leben zu wollen. Ja, ich habe viele Anläufe gebraucht. Das ist jedoch völlig unabhängig von meiner Meinung bezüglich Menschen die schreiben abnehmen zu wollen, extra Webseiten und Profile machen um dann dort einen „Cheatday“ nach dem anderen zu zelebrieren. Ich schreibe meine Berichte als eine Art Tagebuch für mich und ja, wenn es dem ein oder anderen gefällt, er sich Anregung oder Tips von meiner Webseite nehmen kann, freut mich das aber es ist nichts was ich massiv anstrebe oder propagiere. Mich als Vorbild zu stilisieren für den eigenen Abnehmweg ist nichts was ich forciere oder dir werte Leserin aufgezwungen habe, das Leserin ist dein ganz eigenes Ding.

Ich schreibe nicht wie es dir oder anderen gefallen würde sondern wie es mir gefällt.

Und zu guter letzt:  Ich bin nicht abfällig in meinen Äußerungen, aber ja ich bin bissig, kritisch, ehrlich und ohne Schnörkelchen und Glanzbildchen.
Abfällig ist eine ganz andere Hausnummer.
Ende der Durchsage.

Und dann wäre da noch mein Wochenthema:
Zeiten ändern sich und Kilos ändern dich

Ich wurde und werde hin und wieder gefragt, wie ich mich nun empfinde auf meinem Weg zum Normalgewicht, was sich geändert hat. Auch, wie mein Umfeld sich ändert auf diesem Weg oder ob es überhaupt Änderungen gibt in deren /meinem Verhalten.
Als erstes glaube ich, dass ich von vielen Menschen im virtuellen Bekanntenkreis als „ehrlicher“ eingestuft werde, seit ich mich mit all meinen Kilos Ups and Downs geöffnet habe.
Natürlich ist das eher subjektives Empfinden, ich habe das nicht nachgefragt: Hey findest du mich nun ehrlicher, offener, vertrauenserweckender?

Was ich bemerke, das Menschen die in bestimmten Bereichen ihrer Privatsphäre vorher verschlossener waren, insbesondere was ihr Körperbewusstsein und ihr Gewicht anbelangt, sich mir gegenüber ungefragt öffnen. Ich bekomme Nachrichten mit Gewichtsangaben, mit was man gerne wieder hätte, wie man sich fühlt und wie schwer es fällt. Ich bin sehr berührt davon, dass man mir soweit vertraut, denn wie ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es fällt den Schritt zu gehen eine Kilozahl mitzuteilen.

Ich weiß auch das ich für Einige ein Ansporn bin, durchzuhalten, mitzumachen und vielleicht auch zu beginnen. Vielleicht ein Stück gemeinsam zu gehen.
Danke, an dieser Stelle für euer Vertrauen, in Gesprächen und auch für eure Unterstützung.
Was sich noch geändert hat? Wieso ändern Kilos dich? Mich?
Mein Wesen ist unverändert, zum Teil leider, ich bin immer noch so ein Kontrollfreak wie eh und je, ich bin immer noch eine die sich gerne schon lange vorher viele Sorgen macht und tausend worse case Szenarien durchspielt um auf alles möglichst vorbereitet zu sein.
Leider, weil ich diesen Zug an mir wirklich hasse und so viel lieber ein laissez faire Typ wäre. 

Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,  und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Davon bin ich leider meilenweit entfernt. Immer noch denke und hoffe ich das ich manch unumstößliches ändern kann und bei anderen Sachen die ich mit ein bisschen Kraftaufwand ändern könnte stagniere ich. Daran hat sich auch mit fallenden Kilos nichts geändert. 

Mein Tagesablauf hat sich geändert, im kleinen wie im großen. Mein Bewußtsein mit meinem Leben umzugehen.  Mit jedem schwindenden Kilo steigt meine Lebensqualität, mein Lächeln, meine Zufriedenheit. 
Ich bin nicht energiegeladener und nun wie ein endlos Duracell Häschen das durch die Gegend hoppelt. Ich neige immer noch gerne und exzessiv zur Faulheit, zu Gammelklamotten und couching oder zocken.  Ich habe aber verinnerlicht mit fallender Waagezahl, dass das nicht der Lifestyle ist der mich an mein Ziel bringt. Also gibt es während dieser Phasen das was mein neueres Ich ausmacht.
Mein Glück hat sich ganz neu definiert. Die letzten Monate, die letzte Zeit hat mich geändert. Früher waren glückliche Tage, schwerelos  und zeitlos vor mich hintreibend, essen, zocken, faulenzen, gemeinsam mit meinem Mann. Je leckerer das Essen, je schöner die Tage.
Heute definiert sich ein schöner Tag über gut erlebtes, ja auch über Stolz wieder ein Schritt näher am „Normalgewicht“ zu sein, über Freude am Essen aber daran das es gesund, kalorienarm und zusätzlich sogar lecker war und nicht das es „nur“ lecker war.
Ein schöner Tag ist einige Kilometer zu spazieren, keine wehen Knie oder Füße zu haben, dabei ununterbrochen quasseln und nicht keine Luft mehr zu haben und alle paar Meter stehen zu bleiben.

Und wie haben diese Zeiten mein Umfeld geändert?
Ich sage mal es ist ruhiger geworden um mich herum. Zu Beginn meiner Abnahme habe ich viel wirklich sehr viel Anfeuerung, Lob und Beistand bekommen auf den social media Plattformen.
Das war unglaublicher Ansporn und Motivation für mich. Danke ihr Lieben!
Mittlerweile ist es beträchtlich ruhiger geworden, ich habe auch insbesondere auf Facebook meinen wirklichen „Spam an Abnehmfortschritten, Essensbilder, Infos sehr zurück gefahren und habe auch viele viele Leute konsequent aussortiert.
Mittlerweile bekomme ich hin und wieder einige aufmunternde Worte dort oder Beifall, das freut mich immer noch sehr und ist auch in dieser etwas rareren Form für mich voll ok.
Ich  habe und hatte gemerkt, dass eine: „bei ihr läufts ja“  Mentalität Einzug gehalten hat. Wo am Anfang jedes Kilo beklatscht wurde müssen es nun schon 10er Schritte sein und das ist ehrlich voll ok. Ich betonte und betone immer wieder, dass all meine Postings, meine Daily Selfies und meine täglichen Wiegeergebnis einzig zu dem Zweck sind später ein möglichst lückenloses Bild meines Weges zu haben.
Für mich und auch vielleicht für andere. Ich brauche dabei kein tägliches applaudieren.
Insofern eine Änderung die für mich ok ist.

Dann gibt es noch die Änderung, dass Menschen immer ruhiger werden, die die mit mir begonnen haben oder auch dabei waren. Einige die ich schon seit einiger Zeit was das abgenommene Gewicht betrifft weit hinter mir gelassen habe. Da gibt es dann die einen, die sich dennoch für mich freuen (was mich wiederum mega freut) und denen ich auch wirklich versuche Zuspruch zu geben wenn sie mit sich am hadern sind und dann gibt es die Fraktion die auf einmal in exakt die Muster fällt die sie am Anfang ihres Weges so verteufelt haben. Die mir Nachrichten schreiben, wie ich nun was am besten testen soll und das ich dies oder das unbedingt nicht machen soll. Ich verstehe dieses Verhalten nicht und ich befasse mich auch wirklich nur sehr kurz damit bevor ich die Leute dann lösche. Es ist nicht meine Schuld wenn ich abnehme und andere vielleicht nicht in dem Maße wie sie gerne würden. Meine Postings verändern und haben sich nicht verändert in den Monaten. Ich schreibe immer noch mein Gewicht, poste Essen und zeige ein Selfie.
Wenn Jemand in dieser Zeit aufgegeben hat seinen Abnehmweg zu verfolgen, zugenommen oder einfach Probleme hat weiter zu machen, bin und werde ich nicht daran Schuld sein und bin auch ganz klar der falsche Ansprechpartner um mich mit tollen neuen Diäten voll zu texten, mit Vorschlägen zu “ Refeed Tagen“ obwohl es bei mir zwar langsam aber dennoch purzelt. Und wenn dieser Personenkreis auf ein mehrfaches antworten, dass ich mit meinem schnöden Kalorien zählen glücklich bin und keine Interesse habe nicht reagiert dann, und da haben die verlorenen Kilos mich geändert, dann entferne ich sie wortlos von meiner Freundesliste.

Was sich noch geändert hat? Ich liebe mich mehr, ja wirklich, ich schaue mich mit soviel mehr Freude an und täglich wird mir mein „Schwabbelhaut“ Problem egaler.
Ich hebe meinen Arm, spanne meine Müskelchen an und sehe das Hautläppchen drunter hängen und ich ignoriere es weg, denn ich sehe ganz deutlich meinen „eigentlichen wirklichen“ Arm darunter abgebildet. Das selbe gilt für meine Beine. Einzig bei meiner Brust ist die Vorstellungskraft begrenzt 🙂 Aber nüja. Zeiten ändern sich, Kilos ändern mich aber halt auch nicht unbegrenzt.

Was mich besonders freut ist, dass einige Freunde die zu Beginn meines Weges wirklich wirklich übelst skeptisch waren und das auch zum Teil ziemlich verletzend geäußert hatten, mittlerweile sehr viel versöhnlicher mit mir umgehen.
Das freut mich wirklich sehr. Wenn ich auf einmal höre oder lese: Anja du siehst echt toll aus.
Danke ! Wirklich danke, dass ihr eure Meinung etwas meinem Weg anpassen konntet.

Mein Fazit nach 37 verlorenen Kilos.
Zeiten ändern sich – Ja, die Aufgebzeiten, die Rückfallzeiten, die KopfindenSandsteckzeiten, die Jammerundnichtsändernzeiten sind vorbei und haben sich in Ichschaffedaszeiten geändert.
Kilos ändern dich – Ja, sie ändern mich,doch die meiste Änderung ist tatsächlich äußerer Natur, Gesundheitlicher und weniger im Wesen. Das Innere bleibt unangetastet. Noch. 

Eure Anja

 

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