Wochenbericht 13 – Was es aus mir macht

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Wochenbericht 13
13 Wochen – 91 Tage
Start 4 April – 125,8 Kilo
Heute 4 Juli – 101,3 Kilo

13 Wochen vorbei und noch 24 Wochen bis zu meiner Deadline 😉
noch bin ich ja ganz gut dabei, also meiner Zeitlinie etwas voraus, das wird sich sicher ändern je näher ich meinem Ziel komme. Mal schauen.
Ich fühle mich immer noch erstaunlich gut und seit ich das Laufband aus meinem Sportprogramm gedrosselt habe, zickt mein Knie merklich weniger rum. Dafür habe ich am anderen nun ein was auch immer Neurodermitis, Ekzem, Juckscheiss. Salbe drauf und hoffe das sich das bald gibt.
Ach ja ich bin offiziell nun eine Besitzerin einer einzigen passenden Jeans (der die ich enger gemacht habe und am Wochenende wieder enger mache), ich habe auch seit heute keinerlei Winterjacken mehr. Das wird ein teurer Herbst… 

Wochenberichtsthema: Ist ja alles so schön bunt hier! Oder was es aus mir macht.

Anke gab mir den Denkanstoß, mal darüber nachzudenken was sich in meinem Leben bisher geändert hat während meiner Abnehmmission.
Ich habe nun über 24 Kilo verloren und damit nicht nur den Großteil meiner Kleidung sondern auch mehrere Zentner Ballast.
Dieser ganze seelische Druck, immer zu wissen man müsse ja anfangen etwas zu tun und einfach nicht aus den Puschen zu kommen. Die allgegenwärtige Scham vor sich selbst, vor anderen, vor Gott und der verdammten Welt.
Kein Tag ohne nicht daran zu denken wie fett man ist, ohne es nicht zu fühlen, ohne nicht unsanft daran erinnert zu werden bei tausend Gelegenheiten.
Geschichte, mit jedem fallenden Kilo ein Stück weit mehr Geschichte. Eine Geschichte die ich wenn ich angekommen bin, hin und wieder erzählen werde, eine aus dem Leben einer anderen Frau.
Mein seelischer Druck ist sehr viel geringer geworden. Ich bin aktiv, ich bin an mir am arbeiten, ich bin stark und nicht mehr schwach, ich bin energetisch und nicht mehr träge.
Das hat sich sehr geändert. Ich gehe hoch erhobenen Hauptes durch die Welt und sehe auch kaum mehr Blicke die mich anstarren: schau mal die fette Frau da.  Gab es sie je? Oder war das nur meine Sicht auf mich.

Es gibt auch die „dunkle“ Seite der Macht des Abnehmens. Vor ein paar Tagen beschloss ich einen Tag keinen Sport zu machen, mein Körper wollte nicht, ich spürte es, meine Knochen waren schwer, mein Kreislauf so lala. Was mir früher gerne als Ausrede gedient hätte nichts zu machen, so macht es mich heute fertig nix zu machen.
Problemwechsel.
Ich muss nun also lernen mir zu erlauben nichts zu tun ohne ein schlechtes Gewissen aufzubauen. Ich stehe heute nicht mehr täglich zweifelnd vor dem Spiegel ob ich den Riesenberg der ja auch immer noch vor mir liegt schaffe, tief in mir drin weiß ich das mich nichts mehr aufhalten wird was in meiner Macht liegt.
Aber dennoch passiert es, dass ich an mir zweifle, dass ich bei einer Auszeit sofort Angst bekomme das sich da ein ungeliebtes Muster entwickeln könnte, der Anfang vom Ende.

Also so ganz verinnerlicht habe ich meinen neuen Lifestyle noch nicht. Das kann ich mir allerdings auch verzeihen, da ich ja 50 Jahre einen anderen hatte. Große Änderungen gehen manchmal in Sekunden und andere brauchen halt etwas länger um zur Gewohnheit zu werden.
Gewohnheit? Ist mein weniger Gewicht noch nicht geworden. Ich stehe immer noch vor dem Spiegel und starre auf mich und versuche mich zu erkennen, zu sehen das ich abgenommen habe, denn immer noch will mir diese Stimme sagen: du siehst noch exakt genauso fett wie früher aus.

Körperlich bin ich Fitaler (komm ist doch ein cooles Wortspiel 🙂 ).
Ich merke Fortschritte bei meinen Workouts und entdecke mit Begeisterung Dinge an mir. Abends im Bett schaue ich so auf meine Hand und denke: Wow, ist mein Daumen schlank geworden! Mittags in der Küche schraube ich ein Einmachglas auf und sehe auf meinem Unterarm wie sich ein Muskel unter der Haut bewegt. Beim Autofahren halte ich das Lenkrad und bemerke wie dünn meine Handgelenke ausschauen.

Sehr private Einblicke gibt es auch, ich kann problemlos um mich herum fassen mittlerweile und mich ohne Verrenkung nach Toilettengängen säubern.
Ja, ihr lieben Halbdicken und Vollschlanken, das funktioniert nämlich ab ner gewissen Arschmenge mal grad so gar nicht einfach mehr.
Meine Zehennägel schneiden INKLUSIVE dem kleinsten der Bande ist keine gymnastische Meisterleistung mehr und ich schaffe es meinen BH am Rücken zu schließen und mache es aus alter Gewohnheit noch nicht.
Und bei all dem körperlichen Wohlbefinden kommt auch das Unwohlsein.
Das betrachten meiner Haut, auch wenn sie und ich uns mittlerweile näher kommen, Verständnis für einander haben und auch aus dem Grund das ich weiß das es einen Preis zu zahlen gibt für viele, vergangene, gedehnten und ausgefüllten Jahre, es wird zunehmend entspannter aber glücklich bin ich natürlich nicht mit diesem Zustand.

Interagieren mit Menschen und dem was zu ihnen gehört.
Es hat sich außerhalb meiner virtuellen Abnehmwelt nicht viel geändert in meiner Interaktion mit Menschen.  Oh stop, doch, das Zusammenleben mit meinem Mann, der ja auch auf seiner eigenen Reise ist und bereits 15 Kilo verloren hat und schon bald an seinem Ziel sein wird (verglichen zu meinem). Ich schaue ihn an und sehe es jedesmal mehr, er ist schlanker denn je (und war nie wirklich fett), einfach toll und ich sage es ihm und wir genießen unsere Qualitytime nun, ich gehe zwar noch nicht jedesmal mit den Hunden mit Gassi aber immer häufiger gehen wir zusamen. Unsere Gesprächsinhalte haben sich auch geändert, natürlich, wir zählen und achten beide auf unsere Kalorien, jeder für sich und dennoch gemeinsam. Wir necken uns und ich kann mich austoben wenn mir alles zuviel wird oder die Waage rumzickt. Ich kann stöhnen und jammern auf dem Crosstrainer, dass ich meine 30 Minuten nicht schaffe und er feuert mich an. Lobt mich. Das hat sich geändert. Ich habe das Gefühl er ist stolz auf mich, aufrichtig, so wie ich auf ihn. Ein glückliches Gefühl neben der Liebe die wir immer hatten.

Und dann war noch die internette Welt.
Wieviel einfacher es doch ist in einem gewissen Rahmen an Anonymität und Distanz zu interagieren, zu provozieren, zu nebenbei liken, zu nebenbei dissen.
Mir fast fremde Menschen loben mich und ich habe bei den meisten das Gefühl das sie es aufrichtig toll finden wie ich das durchziehe, toll ist das, tolles Gefühl, tolle Motivation.
Ich bin offener, freier mit meiner Person, dennoch versuche ich niemals zur Missionarin zu werden. Es liegt mir völlig fern Menschen davon zu überzeugen etwas an sich oder ihrer Ernährung zu ändern. Genauso fern liegt es mir ihnen zu sagen was sie falsch machen, auch wenn ich das bei manchen Postings die ich zb. auf Instagram lese oft denke.
Meine Meinung gibt es nicht mehr ungefragt, wer sie will muss nachfragen. Früher habe ich anders gehandelt und mich dadurch so oft in die Nesseln gesetzt. Heute setze ich mich diesem Stress nicht mehr aus. Ich war und bin immer ehrlich, wer fragt muss eventuell mit einer für ihn unangenehmen Meinung von mir rechnen.
Ich lese ganz freudig immer wieder neue Nachrichten von FB Bekannten die motiviert sind durch meine Einträge und auch etwas an sich ändern oder neue Wege gehn. Das begeistert mich zunehmend <3 Danke das es Euch gibt.

Leider passiert es dennoch, dass mit jedem weiteren fallenden Kilo einige wenige Menschen auch einen steigenden Hass auf mich entwickeln.
Ich bin der „böse“ Spiegel, ich bin die fette Alte die es, wie es ausschaut, allen Unkenrufen zum Trotz dennoch schafft abzunehmen.
Die, die durchhält, die man so sehr gewarnt hat dass das nicht lange gut geht so wie ich es mache, dass sich mein Körper böse rächen wird, Bandscheibenvorfall incoming, Abnehmstop, Hungermodus blabla und und und.
Ich bin die, die macht und nicht Ausreden sucht und ich bin die, die man ab dem Moment wo die eigene Unzulänglichkeit im direkten Vergleich zu mir unübersehbar wird, einfach richtig dissen kann.
O-Ton eines RL Bekannten der seit Monaten nur über abnehmen spricht aber nichts macht und nicht darauf klar kam, dass ich das nicht verständnisvoll beklatschte (keine Zeit zum abnehmen, zuviel Stress, ich nehm langsam ab damit meine Haut nicht so wird wie deine, ich hab gelesen das… und dies..)  Irgendwann nach dem x-ten Versuch ihm einen von ihm angesprochenen Rat zu geben, der dann postwendend mit Fettlogiken belegt und widerlegt wurde, sagte ich, dass ich müde bin und dass er machen soll wie er denkt und unbelehrbar und festgefahren in seinen „Diät“Ansichten ist .
Als ich mich also dann aus der ermüdenden Unterhaltung verabschieden wollte poppte mir Facebook eine weitere Nachricht auf.

Greif dir mal an den Kopf du Meinungsfaschistin. Les mal deinen letzten Tell durch. Ich bin unbelehrbar? Google mal Toleranz und Meinungsvielfalt. Bloss weil dir paar armselige Schwachmaten an deinen Lippen hängen heißt das nicht das du jetzt gottgleich bist.

Ich muss nicht betonen das der Freund entfernen und Blocken Button gedrückt wurde in dem Moment wo mein Hirn das verstand was meine Augen grade übertragen hatten.
Ich möchte aber betonen, dass ich mich keineswegs irgendwo in die Ecke drängen lasse wo er mich gerne sieht. Weder was das faschistische noch das göttliche betrifft.
Er ist nur das unrühmlichste Beispiel in meiner Abnehmphase bisher. Es gab auch leisere, dennoch schmerzende Stimmen von Menschen die mich verletzten konnten, die Zweifel an mir hegten, an meinem Durchhaltevermögen (zum Teil zu recht). Es gibt und gab Menschen die in den Startlöchern stehen um parat zu sein für den Moment wo ich einknicke, aufgebe. Sorry Leute ihr könntet in der Zeit in der ihr vergebens wartet auch was für euch machen.

Ich entferne rigoros Hindernisse aus meinem Leben, aus meinem Kopf, aus meinen Ansichten. Wer mir nicht bekommt, verschwindet. Egal wo. Das ist neu an Anja v0.2.
Natürlich setze ich mich auch auseinander, diskutiere noch, aber nur noch da wo ich das Gefühl habe es bringt mich weiter, zeigt mir neue Sichtweisen, hilft mir. Niemals mehr um Überzeugungsarbeit zu leisten. 

chacun à son gôut

Das Abnehmen kostet mich viel. Wirklich viel Ausdauer und Willenskraft. Es strengt an, es ist nicht „toll wie leicht es bei dir klappt“ (auch ein Aussenkommentar).
Es ist hart, wirklich hart. Und mehr als einmal vermischt sich mein Schweiß mit meinen Tränen und auch dem Erkennen was ich mir all die vielen vielen Jahre angetan habe.
Mein Lächeln auf einem Daily Selfie ist immer echt, ich mache ja auch keine Bilder wenn ich down bin von mir, wenn ich denke ich hab keine Kraft mehr um weiter zu machen, das passiert auch, ja, aber da ist ja nun so ein Ding bei mir am laufen, dass den „der Selbstzerstörungsmodus ist aktiviert“ sofort stoppt
.

In 24 Wochen werde ich dieses Thema noch einmal aufgreifen und mal sehn was ich dann ergänzen kann.
Solange genieße ich den Anfang vom Rest meines Lebens
.

Eure Anja

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