Wie mache ich es

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Ich werde ab und an in den letzten Wochen gefragt wie ich das denn nun mache.
Das Abnehmen.
Wie funktioniert meine Diät oder welche Produkte ich zu mir nehmen würde um so! abzunehmen.
Hier die Kurzfassung: Willensstärke, Disziplin, Bewegung und Kaloriendefizit.

Wer etwas ausführlicher wissen will wie und wieso sollte weiterlesen.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich, glaube ich, wie viele andere stark oder weniger stark übergewichtigen Menschen, sehr bewandert bin auf dem Gebiet der Super-Duper-Fett-Weg-Wunder Diäten bin.
Irgendwo hoffte ich immer und auch heute manchmal noch, dass die gute Fee kommt und *bling* macht und ich schlank bin. Alternativ, mir eine Pille zu wirft die genau diesen Effekt hat, nein besser noch, die ich einwerfe, mit der ich abnehme und dennoch den lieben langen Tag futtern ohne Ende kann und dabei gemütlich am PC zocken oder auf der Couch chillen.
Bis es denn soweit ist mit der Pille oder der Fee habe ich mich nun entschlossen solange selbst mein Schicksal in die Hand zu nehmen. Ich meine, hey, ich bin ja recht gut darin. Schließlich konnte ich mir die ersten 43 Jahre meines Lebens auch 160 Kilo anfressen.
(wait: 3,4 Kilo Startgewicht gingen klar auf das Konto von Mam und Dad)

Ich habe in all den Jahren von Almased, Slimfast, Artischockenkapseln, Kohlsuppendiät, Zitrone/Chili Kur, FdH,  Heilfasten, LowCarb, Fettausscheidtabletten und so weiter und so fort. Alles mögliche durch.
Genau betrachtet, sind alle, restlos alle diese „Diäten“ nur basierend auf Low Cal. Weniger Kalorien zu sich nehmen, dabei sind sie oft sehr einseitig, sehr mangelversorgend, sehr ekelhaft oder einfach meistens: sehr wirkungslos auf Dauer.

Wer will sein Leben lang Shakes zu sich nehmen oder Kohlsuppe oder heiße Zitrone mit Chilipulver trinken?
Und genau da liegt der Krux in all diesen Produkten und DIÄTEN. Das es Diäten sind!
Sie versprechen und ja einige auch erfolgreich, einen Gewichtsverlust innerhalb eines gewissen Zeitrahmens, der wenn man sich strikt daran hält auch sicher eintritt.
ist der Zeitrahmen vorbei oder die verlorenen Kilos genügen, geht ottonormal Anja wieder back to the roots.
Das ist kein JOJO Effekt, nööö, man nimmt ja nicht wieder zu wegen der Diät. Ein JoJo ist ein klasse Spielzeug, beim Abnehmen oder Diäten oder Zunehmen, hat er keinen wichtigen Platz.
Nicht wieder an Gewicht zunehmen ist eine Frage der Einstellung, der Disziplin, der Willensstärke und wichtigst der Lebensänderung.

Wir adipösen befinden uns nicht auf einem Sprint und am Ziel angekommen können wir endlich wieder kriechen und uns in unserer Faulheit suhlen, wir befinden und auf einem Marathon der bis ans Lebensende geht und optimaler Weise wird unsere Disziplin und Selbstkontrolle irgendwann so verinnerlicht das es Lifestyle wird und wir nicht mehr täglich darüber nachdenken.
Eines ist klar, das Leben als Dicker wird niemals = dem Leben als Schlanker.

Nun aber endlich zu: Wie ich abnehme und weg von: wie ich erfolglos versuche abzunehmen.

Als erstes hat mein Kopf gestimmt, mein Gehirn hatte freie Kapazitäten und entschloss sich mir zu zeigen: So geht es nicht mehr weiter.
50 Jahre alt, tausend Wehwehchen, #feelsbadman.
Ich habe schmerzlich festgestellt, beim durchstöbern meiner Erinnerungsaufzeichnungen, dass nichts was ich bisher machte, außer meinen von 2009-2010 fast 40 verlorenen und gehaltenen Kilo, erfolgreich war.
Was machte ich damals?
Sofort blitzten die ersten Bilder vor meinem inneren Auge auf, ich mit 160 Kilo mehr von einem Bein auf das andere fallend als gehend.
Schmerzen, Atemnot, Scham.
Dennoch begann ich mit kleinsten Spaziergängen um meinen Block. (hey Sido)
Meine Schienbeine begannen nach wenigen Metern so zu brennen, dass mir Tränen in die Augen geschossen sind.
Weiter gehen, weniger essen.

2017 Anfang April kamen eben genau diese Bilder hoch. Dank Internet motivierte ich mich noch etwas mehr, ich schaute mir viele Vorher-Nachher Bilder an, Erfolgsstories, Abnehmwege, las das ein oder andere Buch, dazu gehörte auch empfehlenswertes wie Nadja Hermanns-Fettlogiken überwinden und weniger empfehlenswertes wie irgendwas von wegen Minuskalorien und Hungerstoffwechselmist.
Im großen und ganzen, alles nichts Neues, alles bereits gemachte Erfahrungen oder halt auch nicht, alles gewusstes aber nie umgesetztes, jedoch auch alles Menschen die es offensichtlich dank ihrer Disziplin durchgehalten haben.
Da die Nummer mit der Fee bei mir wohl nie eintreffen wird, beschloss ich also das der Schlüssel zum Abnehmerfolg in der Änderung meines Lebens besteht, gänzliche Änderung, nicht kleine Babyschritte, die großen Schritte mussten her.
Ich stellte am 1 April das Rauchen ein.
Am 4 April war der erste Tag meines Abnehmens und meiner Lebensmission „Weniger ist mehr“. Ich definierte das so für mich, weil es tatsächlich der letzte Versuch ist und war den ich in diesem Leben starten werde und gestartet habe um Normalgewicht zu erreichen.
Wenn ich diesmal wieder ein Loser werde, dann werde ich als Loser sterben, nicht als Gewichts Loser oder Biggest Loser, sondern einfach als Verliererin, die nicht stark genug war, nicht willensstark genug war, gesund zu sein und dabei Spaß zu haben, die lieber leiden wollte, sich hässlich fühlen und schwach sein.

Das wie war also für mich Sonnenklar.
Ich musste meinen faulen Arsch hochbekommen und gehasste Bewegung in mein Leben integrieren.
Ich musste genau prüfen was und wieviel ich esse.
Und letztendlich ich musste all das irgendwie mit Freude machen.
Ich habe noch nie richtig vorher Kalorien getrackt, aufgeschrieben, gezählt.
Grundumsatz und Leistungsumsatz, Gesamtumsatz und Kaloriendefizit waren Begriffe dich ich mal gehört habe aber nie für mich als Hilfsmittel angenommen hatte.
Ich berechnete meinen Grundumsatz und meinen Leistungsumsatz.
Dazu checkte ich einige Rechner im Internet und entschloss mich wegen der Schwankungen die angezeigt wurden, den zu nehmen der mir am wenigsten Kalorienzufuhr erlaubte. Harte Tour, you know 😉
Ich wusste mittlerweile das 1 Kilo Körperfett cirka 7000 kcal sind. Ich musste also um 1 Kilo abzunehmen genau diese Anzahl einsparen.
Ich wusste nun das ich bei meinem Gewicht von 125,8 Kilo,  meiner Körpergröße 163 cm und meinem Alter, meiner wenigen Bewegung im Alltag so und soviel Kalorien verbrauche und somit wieviele mir zur Verfügung stehen.

Meine FettwegWährung also ^^ (tolles Wort #fettwegwährung)

Ich könnte also meine anfänglich 2600 am Tag verbrannten Kalorien/ FettwegTaler (nächstes tolle Wort #fettwegtaler) entweder in Essen investieren und bei meinem Gewicht bleiben oder ich könnte einfach nur 1000 oder weniger in Essen investieren und die übrigen, gesparten 1600 Fettwegtaler dazu verwenden mir einen Gewichtsverlust von garantierten 228,57 Gramm (wir erinnern uns 1 Kilo Fett kostet 7000kcal auf dem freien Fettmarkt) täglich damit zu „erkaufen“.

Ich will und wollte schnelle Ergebnisse deshalb beschloss ich, bis ich unter 100 Kilo Gewicht bin, meine Kalorienzufuhr auf unter 800 kcal am Tag zu senken.
Und mehr als das, ich addierte noch Sport hinzu, Sport sieht und sah bei mir sehr gemächlich aus. Ich war mein Leben lang unsportlich also muss ich erst einmal wieder gehen lernen bevor ich ans laufen komme.
Laufband und Crosstrainer sei dank, kann ich mittlerweile gehen und ganz kurze Strecken laufen.
Ich ließ nach den ersten 4 Wochen mein Blut checken, sprach mit der Ärztin, supplementiere Vitamine und Mineralien und alles ist in Ordnung mit mir.
Ich achte auf mich und beim kleinsten Anzeichen von Schwäche oder wenn ich das Gefühl hätte ich schade mir grade mehr als ich mir gut tue, würde ich eine Änderung herbeirufen in meinem „Lifestyle“.
Denn ich mache klar keine Diät, ich nehme ab, ja, aber mein Leben ist nicht mehr das selbe.
Ich habe Spaß daran mir mit den mir zur Verfügung stehenden Fettwegtalern Essen zu zaubern, freue mich sehr wenn die Waage das spiegelt, ja sogar Sport ist mittlerweile nicht wegzudenken aus meiner täglichen Routine.
Natürlich achte ich darauf genügend zu trinken, das sind bei mir 2,5- 3 Liter.
Ich esse so gut wie keine „toten“ Carbs mehr (Weißmehl, Industriezucker und co), für diese Kalorienbombe ist mir mein Fettweggeld zu schade. Mein Zuckerhaushalt dankt es mir und es fiel mir tatsächlich und ganz ganz ehrlich nur die ersten beiden Wochen schwer auf Brot und Süßes, Chips und co zu verzichten. Seit dem hatte ich nicht ein einziges Mal mehr einen Heißhungeranfall oder Fressflash. Ich würde es auch gar nicht zulassen. Ich habe meine Eiweißzufuhr erhöht, nicht in eine irre hohe Anzahl aber so, dass ich es noch gut ohne zusätzliche Pülverchen in mein Tagesbudget eingeplant bekomme. (Normalgewicht in Kilo x 1gr Eiweiß. solange ich noch nicht mit Muskelaufbau beginne)
Eiweiß dient zur Sättigung meines Appetits wie auch dem meiner Muskeln und verhindert das die abgebaut werden und mein Fett sich weiter bei mir ausruhen darf.
Ich werde sicher in Zukunft noch einige Berichte zu Details schreiben.
Man kann auch mal bei meinen Wochenberichten reinschauen.
Wer Fragen hat kann auch gerne kommentieren und ich versuche sie zu beantworten.

Eure Anja

PS:

Absolute Antiwörter sind:
JoJo Effekt – Ist und bleibt das ein Jojo, den du an seiner Schnur loslässt, wieder zurück kommt. Mit meinem abnehmen hat das sowas von gar nichts zu tun.

Hungerstoffwechsel, Hungermodus – Ja ist klar, wenn man lange wenig ist gerät der Körper in einen Hungerstoffwechsel und lagert alles ein was er bekommt. Daher gibt es den Plateaueffekt  und man nimmt eher zu als ab. Man muss dann unbedingt MEHR essen um abzunehmen! NEIN!
Bei Übergewicht geht der Körper in keinerlei „Hungerstoffwechsel“ sondern bedient sich bei Defizit an der ihm zur Verfügung gestellten und eingelagerten Energie. Die nimmt er aus dem Fett oder auch (bei zuwenig Eiweißzufuhr) aus den Muskeln.
Immer vorausgesetzt wir sind gesund, daher sollte auch jeder der einen längeren oder größeren Gewichtsverlust vor sich hat und diesen durch Defizit erreichen will regelmäßig einen Arztcheck machen.
Plateaueffekte entstehen maximal durch Wassereinlagerungen oder durch Selbstverarschung, in dem man weniger verbraucht hat als errechnet oder mehr zu sich genommen hat.
Erst wenn man keinerlei Reserven mehr hat, sprich untergewichtig ist, könnte der Körper beginnen Organe nicht mehr richtig zu versorgen und natürlich würde man wenn man das weiterspinnt irgendwann sterben.  Die Mär das der Körper bei zuwenig Zufuhr beginnt einzulagern (Zunahme) würde dem ja nun mal gänzlich widersprechen, dann müssten Magersüchtige also fressen ohne Ende um abzunehmen. Come on! 
Mit sinkendem Gewicht, sinkt auch erstaunlich schnell der Grundumsatz, deshalb gilt es anzupassen und neu zu berechnen.  Dann entweder Defizit erhöhen, Sport erhöhen oder eine langsamere Gewichtsabnahme akzeptieren.

6 KOMMENTARE

  1. Du darfst wirklich Stolz auf dich sein liebe Anja, Du hast den Anfang gefunden und dir mit dieser Öffentlichkeit (was natürlich auch einem selbst peinlich berührt), ( warum eigentlich? ) eine gute Rückenstütze eingebaut! Damit hast du eigentlich denke ich mir für Dich das schwerste hinter dir. Ich wünsche Dir, das du Dein persönlichen Ziel erreichst und auch nie den Mut verlierst in den schweren Stunden. Bzw. das dich dann die Öffentlichkeit auch belohnt mit Unterstützung auf Deinem Weg in ein neues Leben… 😘

    • Danke Sylvia,
      ein Geben und Nehmen ist es. Ich ziehe soviel aus dieser Erfahrung endlich diese Hemmschwelle darüber zu schreiben und mich zu zeigen überwunden zu haben, um ehrlich zu sein eine große, zwar mit Scham verbundene, Befreiung.
      Dazu kommt, dass ich auch einige Menschen motiviere, was ich ganz ganz toll und unerwartet finde.
      Danke nochmal für die wirklich lieben Worte.
      Anja

  2. wow, tolle website 🙂 ich denke doch, dass du dem ein oder anderen menschen, der mit seinem gewicht kämpft, genau die stütze sein kannst, die er gerade braucht. 🙂
    ich schau gerne wieder rein und bin natürlich scharf auf deine rezepte 😉

    • Vielen lieben Dank Melanie.
      Das wäre natürlich das allerbeste wenn ich auch anderen ein bisschen Motivation abgeben kann.
      Und ja Rezepte und co werden nach und nach gefüllt. Ich hab ja noch paar Monate vor mir <3
      Anja

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